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SOS-Clearing House in Salzburg

Wie ein 16-jähriger Pakistaner mithilfe des SOS-Bildungsprogrammes seine Träume verwirklichte.

Flucht aus der Heimat

Lernen, eine Ausbildung machen und dann studieren – das waren schon immer Umairs Ziele. In seiner pakistanischen Heimat, nahe Kashmir, besuchte er das College, lernte Mathematik und Englisch. Doch Unruhen und die Bedrohung seiner Familie ließen den Wunsch nach einer guten Ausbildung und einem Beruf, von dem er gut leben kann, in weite Ferne rücken - ganze 7.000 Kilometer weit weg: Seine Eltern schickten ihn zu seinem Bruder, der bereits in Griechenland lebte. Dort angekommen, bekam Umair allerdings kein Asyl. Sondern nur eine Mitteilung, dass er innerhalb eines Monats das Land wieder verlassen müsse. So setze er seine Reise alleine fort.

Gerade einmal 16 Jahre war er alt, als er in Österreich von der Polizei aufgegriffen wurde. „Sie haben meine Fingerabdrücke genommen und gesagt: Du hast hiermit einen Asylantrag gestellt“, erinnert sich der heute 19-Jährige. Das war im November 2012.

Ein neuer Anfang

Im Januar 2013 kam er in das SOS-Clearing-house in Salzburg. Dort fand er nicht nur ein neues Zuhause, sondern bekam auch endlich die erhofften Bildungsmöglichkeiten. Er nahm am internen Bildungsprogramm Minerva teil. Dieses fördert das Potenzial junger Flüchtlinge, dient zur Vermittlung von Sprache und Grundschulwissen sowie zur Unterstützung von Bildungsabschlüssen und Integrationsprozessen. Die Zielgruppe sind Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund im Alter von 15 bis 25 Jahren, mit geringen oder keinerlei Deutschkenntnissen und mangelnden Basisbildungskompetenzen. Im Zuge dessen legte Umair Prüfungen des österreichischen Sprachdiploms A1 und A2 ab.

Obwohl er in Österreich zweimal einen negativen Asylbescheid bekam, hielt ihn das nicht davon ab, engagiert und mit Fleiß zu lernen. Das Ziel, einmal zu studieren, hat er nie aus den Augen verloren.  Nach dem Hauptschulabschlusslehrgang für Externisten begann er im Herbst 2014 sogar, die Höhere Technische Lehranstalt (HTL) in Salzburg zu besuchen. „Der Unterricht in einer fremden Sprache war schwer für mich“, gibt er zu und räumt auch ein, dass ihm stets die Angst einer Abschiebung im Nacken saß. Er fragte sich oft, was er machen könnte, um nicht zurückgeschickt zu werden.

Als sich abzeichnete, dass sich seine Chancen auf Asyl durch eine Lehrstelle verbessern würden, begann Umair eine Ausbildung zum Koch: „Es ist mir nicht leicht gefallen, meinen Platz an der HTL aufzugeben, und eine Lehre anzufangen“, gibt Umair zu. Aber mittlerweile arbeitet er gerne in einer Gaststätte in Salzburg. 

„Ich weiß, dass ich das schaffen kann, und bin froh, endlich die Möglichkeit dazu zu haben.“

Zielstrebigkeit und Ehrgeiz

Den Traum vom Studium hat Umair aber noch längst nicht ausgeträumt. Seit Kurzem heißt es „Lehre plus Abitur“ für den jungen Mann aus Pakistan, der mit so viel Zielstrebigkeit und geringsten Mitteln seine Ziele verfolgt. Sein Ehrgeiz wurde belohnt: Umair wurde in ein Stipendien-Programm aufgenommen, das ihm den Weg zum Abitur erleichtert. Außerdem wohnt er mittlerweile mit einem Freund in einer Wohngemeinschaft, hat eine uneingeschränkte Arbeitserlaubnis und lebt von seinem Lehrlingsgehalt. Jeden Mittwoch drückt er nach Feierabend die Schulbank. „Jetzt mache ich meine Lehre zu Ende und gleichzeitig das Abitur.“ Danach stehen ein BWL-Studium auf seinem Plan und vielleicht auch ein eigenes Restaurant mit pakistanisch-österreichischer Fusionsküche. „Ich weiß, dass ich das schaffen kann, und bin froh, endlich die Möglichkeit dazu zu haben.“ Seinen positiven Bescheid verdankt er der Tatsache, dass er zur Schule gegangen sei und nun arbeite, ist sich Umair ganz sicher. Jenen, die neu nach Österreich kommen, rät er, nicht aufzugeben oder zu verzweifeln. Auch wenn man einen negativen Bescheid bekomme, dürfe man nicht alles hinwerfen. Er habe nicht aufgegeben und das hat sich gelohnt. „Wenn man die Möglichkeiten zur Bildung nutzt, lernt und arbeitet, hat man eine gute Chance, sich in Österreich zu integrieren.“  

Nachdem ihm dies gelungen ist, hilft Umair nun anderen Flüchtlingen bei der Integration: „Landsleute, die die Sprache noch nicht gut können,  begleite ich zu Behördenterminen und übersetze für sie. Oder ich helfe ihnen, Deutschunterricht zu finden. Es macht mich glücklich zu helfen und erinnert mich an die Zeit, in der ich selbst Hilfe benötigt habe.“ 

Foto: Patrick Wittmann
Foto: Patrick Wittmann
Foto: SOS-Kinderdörfer weltweit
Foto: SOS-Kinderdörfer weltweit
Foto: Udo Schmidt
Foto: Udo Schmidt