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Neue Migration – Gewinn für die Gesellschaft, Herausforderung für die Kommunen

02.12.2016

Transferagenturen fördern in Städten in ganz Deutschland den kommunalen Austausch für mehr Bildungschancen.

Angesichts der hohen Zahl von Flüchtlingen, die aus Krisengebieten weltweit nach Deutschland kamen, mussten Kommunen schnell handeln. Es galt, die Versorgung zu sichern, Notunterkünfte bereitzustellen. Nun rückt die Frage, wie Integration gelingen kann, immer mehr in den Mittelpunkt. Bildung spielt dabei eine Schlüsselrolle – darüber sind sich alle einig. Der Druck auf Bildungsinstitutionen, sich zu verändern, um allen Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen einen Zugang zu guten Bildungsangeboten zu bieten, ist hoch. Aber was genau muss sich ändern?

Super-Diversität im kommunalen Bildungsmanagement

Um das zu beantworten, reicht es nicht nur, auf den Unterricht oder eine einzelne Schule zu schauen. Auch die Steuerungsebene, also die Kommunalverwaltung, hat dabei eine wichtige Funktion. Nicht allein Krisensituationen, sondern auch Anstrengungen zur Integration lassen sich besser bewerkstelligen, wenn man zusammenarbeitet. Die unterschiedlichen Ämter einer Kommune, wie Soziales, Kultur, Stadtentwicklung, Gesundheit, müssen gut verzahnt sein und es gilt, wichtige Akteure, wie Politikerinnen und Politiker, aber auch Fachkräfte aus Schulen und Kitas sowie die Zivilgesellschaft einzubinden.

Transferagenturen – Gemeinsam für erfolgreiche und effiziente Lösungen

Die „Transferinitiative Kommunales Bildungsmanagement“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung setzt genau dort – auf der strukturellen Ebene – an. Acht Transferagenturen unterstützen 160 Kreise und kreisfreie Städte dabei, eine Strategie für Bildung zu entwickeln oder auszubauen. Der Grundgedanke ist: Wo Verwaltungen und Ressorts auf Augenhöhe kooperieren und sich gut miteinander abstimmen, ist die Chance hoch, dass gute und effiziente Lösungen für aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen entstehen. Und innovative Ideen, die ein einzelnes Amt selten umsetzen kann, weil sie über die eigene Zuständigkeit und Fachlichkeit hinausweisen.

Ein Beispiel hierfür sind die Hamburger Bildungskonferenzen. Sie bringen nicht nur regelmäßig alle Bildungsakteure an einen Tisch, wie z.B. Lehrkräfte, Kita-Erzieherinnen, Verwaltungsangestellte, Politikerinnen und Politiker, Vereinsmitglieder, Ehrenamtliche. Überschneidungen von Bildungsangeboten werden sichtbar und konkrete Lösungen für Probleme gesucht. Die Regionalen Bildungskonferenzen wurden vor fünf Jahren entwickelt und sind heute unverzichtbarer Baustein innerhalb des Hamburger Bildungsmanagements – auch als es darum ging das hohe Flüchtlingsaufkommen zu meistern.

Die neue Migration verändert jetzt schon die soziale Realität in den Städten. Nationale Herkunft wird immer unwichtiger, viele Sprachen und Lebensentwürfe werden den Alltag in Deutschland prägen.

Dr. Lutz Liffers

Ehemaliger Leiter der Transferagenturen für Großstädte

Bildungsmonitoring als Instrument für mehr Chancengerechtigkeit

In einer (super)diversen Gesellschaft wird gar nicht mehr gefragt: „Wo kommst du her?“ Das ist einerseits ein Gewinn. Aber für den Bildungserfolg junger Menschen in Deutschland ist die Antwort auf die Frage nach der Herkunft noch immer entscheidend. Denn Faktoren, wie Armut und Bildungsstand der Eltern, prägen ein Leben von Anfang an. Risiken oder versäumte Chancen potenzieren sich über Jahre. Auch Migrations- und Fluchterfahrungen gehören dazu. Wie lassen sich Risikofaktoren mindern?

Damit Ressourcen gezielt dorthin gelangen, wo sie am meisten bewirken können, braucht es eine Entscheidungsgrundlage und Kriterien, wonach Gelder verteilt werden. Daten müssen erhoben und ausgewertet werden – auf Basis einer konkreten Fragestellung. Bildungsmonitoring ist jedoch mehr als die reine Erhebung von Zahlen. Die Informationen werden in einen räumlichen und zeitlichen Kontext gesetzt. Die Ergebnisse können genutzt werden, um bewusst Handlungsdruck zu erzeugen und geben so den Anstoß für konkrete Maßnahmen in der Kommune. Die Münchner Förderformel beispielsweise ist ein datenbasiertes Steuerungskonzept für die Finanzierung der rund 1.200 Kindertageseinrichtungen in München. Sie besteht insgesamt aus neun Faktoren und kombiniert gesetzliche Fördermittel mit zusätzlichen Leistungen der Kommune. Ziel ist es, alle Kindertageseinrichtungen nach den gleichen Grundsätzen zu fördern, aber dennoch jede Kita mit ihren individuellen Schwerpunkten zu unterstützen. Die Formel leistet damit einen Beitrag für mehr Chancengerechtigkeit. 

Weitere Informationen

Im Großstadtnetzwerk der Transferagenturen der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung treffen sich sechs Fachgruppen regelmäßig, um sich über die Schwerpunkte kommunales und lokales Bildungsmanagement, Bildungsmonitoring, Kooperation, Bildung und Stadtentwicklung sowie Diversität und soziale Lage auszutauschen.

www.transferagenturen-grossstaedte.de/themen