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Berufliche Ausbildung im digitalen Zeitalter

12.10.2017

Die Digitalisierung bietet eine große Chance, das Lernen in der beruflichen Bildung zu verändern. Doch wie werden diese Chancen bisher genutzt? Der „Monitor Digitale Bildung – Ausbildung im digitalen Zeitalter“ der Bertelsmann Stiftung erfasst umfassend und repräsentativ den Stand des digitalisierten Lernens in der beruflichen Bildung in Deutschland.

Mehr als 2.000 Auszubildende, Berufsschullehrer, Ausbilder und politische Stakeholder wurden 2016 repräsentativ zum digitalen Lernen in der beruflichen Bildung befragt. Welche Verbreitung haben digitale Lerntechnologien in der beruflichen Ausbildung? Und welche Impulse können digitale Technologien zur Verbesserung des Lernens geben? Die Ergebnisse zeigen, dass die digitale Bildung im dualen Ausbildungssystem noch ausbaufähig ist. Gleichzeitig zeigt der Monitor Digitale Bildung auf, was sich tun muss, damit die berufliche Bildung die Chancen des digitalen Lernens besser nutzen kann.

Insgesamt zeigt die Befragung, dass die Potenziale des digitalen Lernens in der beruflichen Bildung bisher kaum entfaltet werden. Der Einsatz digitaler Medien wird eher dazu genutzt, herkömmliche didaktische Methoden digital zu ersetzen oder zu ergänzen, als neue Lernwege zu eröffnen. So tritt anstelle eines Lehrfilms auf DVD inzwischen das YouTube-Video (84 Prozent) und der Overheadprojektor wird durch die PowerPoint-Präsentation abgelöst (83 Prozent). Digitale Tools, die zur eigenen Erarbeitung von Inhalten dienen (Erstellung von Lehrvideos oder Blogs), werden sehr viel weniger genutzt (25 Prozent). Selbstlernprogramme, Apps oder Formate wie Gamebased Learning kommen ebenfalls recht selten zum Einsatz (nur 5 Prozent nutzen diese häufig, 35 Prozent gelegentlich).

Die geringe Nutzung kann unter anderem darauf zurückzuführen sein, dass Berufsschulen fachlich speziellere Inhalte benötigen als dies an allgemeinbildenden Schulen der Fall ist. Aus der Befragung geht hervor, dass es vor allem mangelnde Kompetenzen und Ressourcen sind, die die innovative Nutzung digitaler Medien erheblich bremsen. So beklagen die Berufsschullehrkräfte sowohl zeitliche als auch finanzielle Hürden beim Einsatz im Unterricht. Außerdem fehle es an Orientierungshilfen, um Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien kennenzulernen und zu erproben.

DKJS/B.Dietl
Oft fehlt es den Berufsschulen an technischer Ausstattung.

Auch die Überzeugungen der Lehrkräfte spielen eine wichtige Rolle. Im Monitor Digitale Bildung zeigt sich, dass Auszubildende dem Einsatz digitaler Lernmedien gegenüber wesentlich aufgeschlossener gegenüberstehen als ihre Lehrkräfte. Unter den Lehrkräften sind es diejenigen mit längerer Berufserfahrung, die sich verstärkt vorwagen und digitale Mittel einsetzen.

Ein weiteres Hemmnis für die Digitalisierung liegt weiterhin in der technischen Ausstattung. Nur 44 Prozent der Schulen verfügen über interaktive Whiteboards. Tablets stellen in den Berufsschulklassen eher eine Ausnahme dar (7 Prozent). WLAN ist nur in jeder dritten Berufsschule ausreichend gut ausgebaut. Überwiegend kommen daher Smartphones und Tablets von Schülerinnen und Schülern zum Einsatz.

Chancen des digitalen Lernens besser nutzen

Um die Chancen der digitalen Bildung an Berufsschulen besser zu nutzen, zeigt der Monitor Digitale Bildung abschließend folgenden Handlungsbedarfe auf: Damit nicht allein traditionelle didaktische Ansätze digitalisiert werden, müsse ein Umdenken stattfinden. Dazu müssen konkrete Anwendungsbeispiele entwickelt werden, an denen sich Berufsschullehrer und Ausbilder orientieren können.

Zudem sei es ein wichtiger Schritt, die Kompetenzen der Lehrkräfte durch systematische Aus- und Fortbildung zu erweitern. Auch benötigen Berufsschulen sowohl Mittel als auch Unterstützung, um digitales Lernen nach und nach einzuführen. Dazu gehören zeitliche Ressourcen ebenso wie eine gute technische Infrastruktur. 

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