Alt text
CC0

Der IQB-Bildungstrend 2016

15.11.2017

2016 ermittelte der Bildungstrend des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) zum zweiten Mal nach 2011 die Kompetenzen von Grundschülern der vierten Klasse in den Fächern Deutsch und Mathematik. Knapp 30.000 Schülerinnen und Schüler aus bundesweit über 1.500 Schulen wurden getestet und die Ergebnisse im Oktober 2017 auf der Kultusministerkonferenz (KMK) vorgestellt.

Herausforderungen an Grundschulen

Wie haben sich Viertklässler in den letzten fünf Jahren in Lesen, Zuhören, Orthografie und Mathe entwickelt? Erfüllen Kinder die Mindeststandards? Und welche Bildungsaufgaben zeichnen sich ab? Neben den Kernkompetenzen Deutsch und Mathematik fragt der Bildungstrend deshalb auch nach der Zufriedenheit der Kinder, ihrem Hintergrund und geschlechterbezogenen Disparitäten. Lehr- und Lernbedingungen der Grundschüler sollen auf diese Weise ermittelt werden und die Ergebnisse den Kultusministerinnen und Kultusministern Aufschluss darüber geben, wie optimale Lernbedingungen in der heutigen Zeit aussehen.
 

Getestete Kernkompetenzen Deutsch und Mathematik

Im Fach Deutsch erreichten im Bereich Lesen, Zuhören und Mathematik rund zwei Drittel (66 Prozent, 68 Prozent und 62 Prozent) den Regelstandard, im Bereich Orthografie waren es etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent). Damit sind die Kompetenzen der Viertklässler im Bereich Lesen gegenüber dem Vergleichsjahr 2011 stabil geblieben, in den Kompetenzbereichen Zuhören (2011: 74 Prozent, 2016: 68 Prozent), Orthografie (2011: 65 Prozent, 2016: 55 Prozent) und Mathematik (2011: 68 Prozent, 2016: 62 Prozent) jedoch gesunken. Sorgen bereiten den Kultusministerinnen und -ministern die hohe Anzahl an Schülern, die den Mindeststandard nicht erreichen. KMK-Präsidentin Dr. Susanne Eisenmann zeichnete ein ernsthaftes Bild: „Die Ergebnisse der Studie sind ernüchternd“. Demnach erreichte 2016 jeder achte Viertklässler nicht den Mindeststandard beim Lesen (12,5 Prozent), beim Zuhören (10,8 Prozent), der Rechtschreibung (22,1 Prozent) und in Mathematik (15 Prozent).

Folgerungen für Kultusministerinnen und -minister

Auf die Frage nach dem Warum des Abfalls antwortet Susanne Eisenmann: „Seit 2011 haben sich die Bedingungen in den Schulen gewandelt. Insbesondere die zunehmend heterogen zusammengesetzte Schülerschaft stellt alle Länder und die Ländergemeinschaft vor große Herausforderungen.“ Gleichzeitig betont der Bericht, dass nur Schülerinnen und Schüler getestet wurden, die bereits seit einem Jahr eine deutsche Schule besuchten, was auf viele nach Deutschland geflüchtete Kinder im Sommer 2016 noch nicht zutraf. Der Bericht zeigt demnach bereits bestehende Probleme im deutschen Grundschulsystem auf, weist jedoch auch auf einen erhöhten Handlungsbedarf in den Kernfächern Deutsch und Mathe hin, um bestehende Probleme nicht weiter zu verschärfen und Inklusion und erhöhtem Förderbedarf gerecht zu werden.

Strukturelle Veränderungen

Nicht erst seit Veröffentlichung des Bildungstrends steht die Frage im Raum, wie Schüler ihre Fähigkeiten in Lesen, Schreiben und Rechnen verbessern können. Als Konsequenz wurden Unterrichtsmethoden der vergangenen Jahre, die sich als nicht erfolgreich erwiesen haben, wieder abgeschafft. Die Resultate der Methode „Schreiben nach Gehör“, bei der Lehrer bewusst nicht die Rechtschreibung von Grundschulkindern verbesserten, um so die Motivation der Schüler zu fördern, überzeugten beispielsweise nicht. Über die Folgen der jahrelang angewandten pädagogischen Maßnahme berichtete u. a. der Spiegel, als bekannt wurde, welche Herausforderungen in der aktuellen Bewerbersuche für Stellen mit Aufnahmeverfahren bestehen.

Gefühl der Integration an deutschen Schulen

Der IQB Bildungstrend zeigt aber auch: Schülerinnen und Schüler mit und ohne Migrationshintergrund fühlen sich wohl in ihren Schulen, soziale Integration in Deutschland gelingt sehr gut.

So sah eine Aufgabe in Mathematik aus:

Schülerinnen und Schülern wird in Mathematik eine Aufgabe mit Kärtchen mit den Ziffern zwischen 1 und 9 gestellt. Damit sind vierstellige Zahlen zu legen und jede Karte höchstens einmal zu verwenden. Wie heißt die kleinste mögliche Zahl? Die Antwort lautet: 1234. Wie heißt die größte Zahl? Richtige Lösung: 9876. Lege die Zahl, die am nächsten bei 5000 liegt. Richtig: 4987.

 

 

Neuen Kommentar schreiben