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Hausaufgaben statt Bombenalarm

15.11.2018

7 Jahre Krieg haben die syrische Stadt Aleppo fast ohne Schulen zurückgelassen. Eine wiederaufgebaute Schule schenkt 1.800 Kindern nun neue Hoffnung – und der Stadt neues Leben.

Hierzulande ist es selbstverständlich, dass an jeder dritten Straßenecke eine Schule steht und vor allem, dass jedes Kind darin einen Platz findet. Doch was passiert in einer Stadt, in der 550 Schulen schließen mussten?

Rund 70 Prozent der Kindergärten und Schulen in Aleppo sind im syrischen Bürgerkrieg beschädigt oder zerstört worden. In der schlimmsten Phase des Krieges konnten 83 Prozent der Kinder keine Grundschule besuchen. Eine Katastrophe für die Zukunft des Landes. Und vor allem eine schiere Tragödie für die Kinder, denn ohne Schule fehlt ihnen ein Ort, an dem sie Freunde treffen, lernen und sich ausprobieren können. Nicht ohne Grund wird in Syrien oft von einer „verlorenen Generation“ gesprochen. Doch damit wollen und können wir von den SOS-Kinderdörfern uns nicht zufriedengeben. Nur durch eine gute Schulbildung haben Kinder die Chance auf eine selbstbestimmte Zukunft.  

Ziel der SOS-Kinderdörfer ist es deshalb, den Kindern in Aleppo möglichst schnell wieder Zugang zu Bildung und verlässlichen Tagesstrukturen zu eröffnen. Eine Schule signalisiert Normalität und Alltag. Als die Gefechte in Aleppo 2017 zum großen Teil endlich zum Erliegen gekommen waren, konnten wir damit beginnen, eine Schule zu renovieren: die Al Thawra Banin Schule im Osten der Stadt. Keine leichte Aufgabe, denn 85 Prozent der Schule lag in Trümmern. Doch nur ein Jahr später, am 2. September 2018, öffnete sie endlich ihre Pforten für 1.800 Schüler. Aufregung pur!

SOS-Kinderdörfer weltweit
Wo jahrelang traurige Leere herrschte, wimmelt es nun endlich wieder vor Schülern: der Hof der Al Thawra Schule in Aleppo.
SOS-Kinderdörfer weltweit
Mein Bruder hat mir oft von dieser Schule erzählt und ich habe sehr lange gehofft, dass ich dort eines Tages zur Schule gehen kann.

Farah

Drittklässler

Der Schulbetrieb findet in zwei Schichten statt, vor- und nachmittags, um den vielen Schülern gerecht zu werden. Schuldirektor Hassan Al Sharif blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Mein Glück ist unbeschreiblich! Wir werden gemeinsam mit den Schülern daran arbeiten, ihre negativen Emotionen aus dem Krieg aufzulösen und unsere Gesellschaft Stück für Stück wiederaufzubauen. SOS hatte einen unglaublich positiven Einfluss auf die gesamte Nachbarschaft, nicht nur die Schule. Dieser Ort lebt wieder!“

Noch immer gibt es viele Kinder, die in Syrien nicht zur Schule gehen können und die nichts anderes kennengelernt haben als Bombennächte, Scharfschützen und Zerstörung. Doch jede Schule, die wiedereröffnet wird, ist ein Schritt in die richtige Richtung – und ein Signal für viele Eltern, dass ihre Kinder vielleicht doch ein friedliches Syrien kennenlernen werden.  

Wir dürfen die Kinder in Syrien nicht aufgeben. Die Schulen sind ein wichtiger Schlüssel für den Wiederaufbau des Landes!

Lur Katt

Sprecherin der SOS-Kinderdörfer in Syrien

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